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KRITIK KANN MAN ÜBEN


Journalisten und andere Kreative können ziemliche Weicheier sein. Sie teilen gerne aus, im Einstecken aber sind sie nicht besonders talentiert. Künstler. Mimosen. Selbstverliebt und verletzlich. Weicheier eben. Ausnahmen bestätigen die Regel.


Kennen Sie die sogenannte Freeze-Reaktion? Nein, nicht das Freeze im Bild. Die Freeze-REAKTION. Heiko Ernst hat sie jüngst sehr fundiert in PSYCHOLOGIE HEUTE beschrieben: „Der Körper erstarrt äußerlich, gleichzeitig wird innerlich das Stresssystem hochgefahren. Man steht sozusagen gleichzeitig auf Gas und Bremse. Dieses Reaktionsmuster hat nicht nur negative körperliche Folgen, es kann am Ende sogar in eine ausgewachsene soziale Phobie münden: in eine permanente Vorwegnahme von Kritik, von sozialer Ablehnung oder Ausgrenzung.“


Beim Freeze stehen Sie da und sind völlig unbeweglich. Auch im Kopf. Sage bitte niemand, er habe das noch nicht erlebt. Toller Text, brillanter Film, Hammer-Sendung – nur dieser Kritiker / Kollege / Chef hat keinen Blick für meine Genialität… Wenn Sie manchmal so denken: Vergessen Sie das. Befassen Sie sich mit Strategien, wie Sie Kritik nutzen und gelassener ertragen können.

In guten Redaktionen herrscht das zum Beispiel das einfache Vier-Augen-Prinzip. Nie im Journalismus können Sie mehr lernen, als wenn Sie verstehen: Was meint der Kollege (oder Chef), wenn seine Kritik wertschätzend und konstruktiv formuliert ist? Und sollte sie das (einmal) nicht sein, können Sie auch daran wachsen. Indem Sie nämlich sich, Ihren Text, Ihren Film oder Ihre Sendung dennoch hinterfragen. Um danach mit mehr Überzeugungskraft für Ihre Arbeit einstehen zu können.


Kritik: Nehmen Sie sie an, aber nehmen Sie es nie persönlich. Kann man üben - übrigens als Kritiker gleichermaßen. Gerne auch mit uns.


Mehr Infos zum Thema unter http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/warum_wir_es_p... .


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DIE BERATER DES PRÄSIDENTEN


Bevor Bundespräsident Christian Wulff am vergangenen Mittwoch zu seinem Interview ins ARD-Hauptstadtstudio fuhr, hatte er Besuch im Schloss Bellevue. Peter Hintze, CDU-Politiker und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, suchte Wulff auf. Ein aufmerksamer Photograph der Nachrichtenagentur dapd hat die Szene eingefangen: Zwei Männer schütteln sich hinter einer Fensterscheibe des Schlosses die Hände. Hintze, früher Pfarrer von Beruf und Vertrauter von Bundeskanzlerin Angela Merkel, spricht dem angeschlagenen ersten Mann im Staate Mut zu.

Hintze wird am nächsten Morgen Wulff in Interviews für seinen TV-Auftritt loben und ihn vor Kritik in Schutz nehmen. Er ist einer der wenigen Christdemokraten, mit denen sich Wulff in den vergangenen Tagen der Krise austauschen konnte. Nachdem sich der Präsident unter Druck von seinem Pressesprecher Olaf Glaeseker getrennt hat, fehlt es dem überfragten Mann an der Spitze des Staates an effizienter Beratung.

An Wulffs Seite sind in der Krise eine Frau und zwei weitere Männer: Die Frau, Petra Diroll, kam als Pressesprecherin einen Tag nach dem überraschenden Rücktritt von Wulffs Vorgänger Horst Köhler ins Amt. Eigentlich hätte sie für Köhler sprechen sollen. Die frühere ARD-Journalistin wird von Berliner Kollegen als verlässlich und kompetent geschätzt, hat aber seit ihrem ersten Arbeitstag im Präsidialamt wenig Normalität erlebt. Als Vertraute des neuen Mannes galt sie nicht. Ihren Job hat sie heute, weil andere nicht mehr da sind.

Im Gegensatz zu Lothar Hagebölling, dem Amtschef und langjährigen Wegbegleiter von Wulff. Still, effizient, loyal – ein politischer Beamter, aber nicht krisenerprobt. Er begleitete den Präsidenten zu seinem Fernsehinterview (Foto). Die Runde um Wulff wird vervollständigt von Gernot Lehr, Bonner Rechtsanwalt und einer der führenden Medienrechtler im Land. Dem früheren Bundespräsidenten Johannes Rau konnte er in dessen Flugaffäre mit kluger Kommunikation helfen. Wulff hilft er derzeit vor allem als Blitzableiter. Mit Interview-Äußerungen hält er aber eine Debatte über seinen Mandanten wach, die andere in der Union gerne einschlafen ließen. Berater sollten schweigen.

Kommunikation hat sich gewandelt seit der Flugaffäre von Johannes Rau. Und der Kreis um Wulff hat Fehleinschätzungen begangen. Könnten der Rauswurf Glaesekers und die damit verbundenen Spekulationen möglicherweise von den Unwahrheiten und Unklarheiten des Präsidenten ablenken? Ein Irrtum. Eine Fehleinschätzung war es auch zu glauben, die Kommunikation Dirolls werde mit den Aktionen der Männer im Axel-Springer-Haus mithalten können. Die presserechtlichen Einschätzungen des Anwalts Lehr schließlich - und auch das war ein Irrtum – würden an dem Fall interessierte Beobachter zufriedenstellen können, wo diese doch nach dem TV-Interview Wulffs auf Belege und Originaldokumente warteten.

So ging der Präsident überstürzt in das Interview mit Bettina Schausten und Ulrich Deppendorf. Erst am Vorabend war der Beschluss in der Dienstvilla in Dahlem gefallen. Wulff hätte mindestens einen weiteren Tag gebraucht, um sich und die Fakten zu ordnen.

Wie schon im Fall Guttenberg mangelt es hier einem Politiker - mindestens - an Überblick und Offenheit. Und es fehlt an kluger Beratung, an einem ruhigen und distanzierten Blick auf seine Situation und die Chancen, die er in der Krise hatte und vielleicht noch hat. Es fehlt an Beratung, die Kommunikationswege nicht nur über die BILD-Zeitung oder das öffentlich-rechtliche Fernsehen, sondern auch über die sozialen Netzwerke einzuschätzen weiß, schnell und diskret handelnd. Im Präsidialamt ist man von dieser Welt weit entfernt. Auch das ist bestürzend am Fall des Christian Wulff.


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GENAU HINSEHEN! MIT MUT INS JAHR 2012


Robert Capa, der Photograph, hat es so formuliert: "Wenn deine Bilder nicht gut genug sind – dann bist Du nicht nah genug dran!“ Capas journalistischer Leitsatz gilt weiterhin. Wer nicht genau hinsieht, hat kein gutes Bild.

Ein Leitsatz übrigens nicht nur für Journalisten. Sie haben es vielleicht schon bemerkt: Eine Zeit des Wandels, der Weiterentwicklung hat begonnen. Nicht nur im Politischen. Unverkennbar ist ein Trend hin zu der Vorstellung, was im Leben wichtig ist, worauf es ankommt. Qualität statt Quantität. Hin zu einem wertschätzenden Miteinander.

Dies bedeutet, alte Vorstellungen und Muster loszulassen und offen zu sein für Neues. Das Fundament dieser Qualität ist eine neue Beziehungskultur. Ein Miteinander, verbunden mit der Einladung, uns immer wieder gegenseitig zu ermutigen, zu begeistern und Erfahrungen zu sammeln. Dabei begleiten wir Sie gerne. Denn: "Nichts geschieht, bis sich etwas bewegt." (Albert Einstein)

In diesem Sinne wünschen wir besinnliche Weihnachten und einen mutigen, zuversichtlichen Schritt ins neue Jahr.

Gerda Ehrlenbruch + Marko Langer

PS.: Robert Capas großartige Bilder sind noch bis zum 8. Januar 2012 im NRW-Forum Düsseldorf zu sehen:

„Frontline.“ http://www.nrw-forum.de/frontline.


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DAS TOLLE AN "BECKMANN"



Die Sendung „beckmann“ in der ARD ist eine tolle Sache. Sie sollten sie sich einmal ansehen. In dieser Woche zum Beispiel ging es um Kinderhospize, und das war nun wirklich kein Spaß. Der Marktanteil betrug 6,1 Prozent. Unter Quotengesichtspunkten ein Desaster. Wieder einmal.


Die Hierarchen der ARD haben den Wunsch des Moderators Reinhold Beckmann, auf seinen alten Sendeplatz am Montag zurückzukehren, bislang nicht erfüllt. Zugleich war zu lesen, dass sich die Verantwortlichen des Senderverbundes lobend über die Qualität der Sendung geäußert haben. Mit diesem Urteil lagen sie richtig.


Man mag Beckmann vorhalten, dass seine Themen in Zeiten des Quotenkampfes zu schwer sind. Manchen ist die Gesprächsführung zu servil (was laut Duden mit „untertänige Beflissenheit zeigend; kriecherisch schmeichelnd“ übersetzt werden kann). Doch wer Beckmann schon jetzt als Verlierer der Talkshow-Offensive der ARD sehen will, hat vorher nicht richtig hingesehen.


Es ist nämlich noch gar nicht lange her, dass Reinhold Beckmann und seine Redaktion zum Thema „Stuttgart 21“ eine Sendung machten, die – was Zusammenstellung, Gästeauswahl und Aktualität anging - die Konkurrenz weiter hinter sich ließ. Im vergangenen Jahr hat der Moderator Gespräche geführt mit dem Buchautor Walter Kohl und dem Intellektuellen Stéphane Hessel, die zum Besten gehörten, was in deutschen Talkshow-Studios seit den Anfangstagen von 3 nach 9 produziert wurde.


Selbst wenn man „beckmann“ (also der Sendung) Beckmann (also den Moderator) wegnähme, hätte das Format immer noch eine Qualität, die anderen fehlt: die Möglichkeit zum nahen, intensiven, konzentrierten Gespräch. Und manchmal geht es um totkranke Kinder, und zwar abseits jeder Boulevard-Geilheit. Darum ist „beckmann“ eine tolle Sache. Sie sollten es sich wirklich ansehen.


Ein Interview von F.A.Z.-Medienredakteur Michael Hanfeld mit Reinhold Beckmann zum Thema Sendeplatz findet sich in der
FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG.


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DAS ERSTE, DIE BBC - UND DER UNTERSCHIED



Der Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen moderiert gelegentlich selbst. Sonntags im „Presseclub“ kann man Volker Herres dabei zusehen, wie er mit Journalisten die Weltlage bespricht. Dass er das gerne macht, kann man getrost annehmen: Herres hat früher beim Norddeutschen Rundfunk als Journalist gearbeitet. Doch seit November 2008 ist er Programmdirektor, und das ist nun ein ganz anderer Job. Herres verantwortet ein Fernseh-Programm, das in diesen Tagen Erstaunliches anbietet. Zum Beispiel eine Reihe von Talk-Shows. Diese bezeichnet der Autor Reinhard Mohr in der November-Ausgabe des „Cicero“ als:


„ Messstationen des sozialen Grundrauschens, emotionale Seismographen eines diffusen nationalen Gesprächs, das sich selbst genügt. Sie inszenieren ein Wechselbad der Gefühle, peitschen die Erregungskurve hoch, aber bieten nach all ihrem Alarmismus immer auch ein bisschen Entspannung und Ayurveda. Gerade noch standen Deutschland, der Euro und der Rest der Welt am Abgrund, doch schon anderthalb Stunden später ist wenigstens der Sonntagabend gerettet.“


Die Grundthese Mohrs lautet: Die Sender tragen mit dazu bei, dass „Eine Nation verblödet“. Dieser These muss man nicht zustimmen, schon gar nicht als Fernseh-Macher. Aber der übliche Abwehrreflex bei Produzenten und TV-Redakteuren funktioniert so auch nicht mehr. „Diese Zeitungsschreiber, die erreichen ja doch die vielen Menschen in den Wohnzimmern nicht, das gelingt uns mit unserem Programm ja viel besser.“


Denn: Die Menschen sitzen nicht mehr entspannt im Wohnzimmer. Sie sind auf der Suche nach Antworten oder auf der Straße, unsicher und unzufrieden mit den gegenwärtigen politischen Verhältnissen. Zu denen auch das öffentlich-rechtliche Wohlfühl-Fernsehen zählt – oder wenigstens beiträgt. Die Vorgänge im Mitteldeutschen Rundfunk zeigen, wie ein System herangewachsen ist, das Pfründe und Vetternwirtschaft ebenso zulässt wie hochdotierte Produktionsverträge für hochgeschätzte Moderatoren. Aber keinen Aufbruch in moderne Zeiten.


Was den Unterschied ausmachen kann? Die BBC, Vorbild für Journalismus und innovative Unterhaltung in öffentlich-rechtlicher Form, unterzieht sich seit einer Weile einer durchaus schmerzhaften Reform. Jobs fallen weg, der Laden wird schlanker. Bitter für Betroffene, aber das Programm wird nicht schlechter. Noch ein Beispiel? Das ZDF hat sich mit einer klugen Digital- und Online-Strategie auf den Weg in die Zukunft begeben. ZDF neo und ZDF Info sind für viele Programm-Macher schon jetzt wichtige Anlaufstellen.


Ein solcher Aufbruch ist auch dem TV-Programm mit der Eins zu wünschen. Mit einem Budget von rund 6,3 Milliarden Euro und den etwa 23.000 festen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat die ARD dazu alle Chancen. Gesucht wird: eine Vision für ein mutiges Programm. Und eine neue Struktur. Der Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen sollte dieses Vorhaben nicht den Medienpolitikern überlassen. Oder der Maus, die sich auf Plakaten für die Rundfunkgebühren bedankt. Gerne, liebe Maus. Wenn es sich denn lohnt.


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